Höhenmeter zählen

Tagestouren in Mittelgebirgen, Ausrüstung im Praxistest und das Wetter dazu.

Wintertour mit Spikes und kurzen Tagen

2025-02-02 · 3 Min. Lesezeit

Im Winter ändert sich für mich alles an der Planung: Das Licht reicht von halb neun bis halb fünf, der Boden ist entweder Matsch oder Eis, und eine Tour, die im Sommer fünf Stunden dauert, braucht sieben. Diese Tour war mit zwölf Kilometern und 450 Höhenmetern kurz angesetzt, Start um 9:30 Uhr bei minus 6 Grad und klarem Himmel, Rückkehr geplant für 14:30 Uhr.

Die Wege im Tal waren tagelang angetaut und nachts wieder gefroren, also blankes, geriffeltes Eis mit einer dünnen Schneeschicht. Ohne die Schuhspikes, die ich seit zwei Jahren im Rucksack habe und bisher zweimal gebraucht hatte, wäre ich nach 500 Metern umgekehrt. Mit ihnen konnte ich normal gehen, auch bergab. Es sind einfache Gummiringe mit kurzen Stahlspitzen, die man über den Schuh zieht, zusammen 380 Gramm. Auf Fels und Asphalt sind sie unangenehm, auf Eis unverzichtbar, und das Anziehen dauert eine Minute. Ich habe sie an dem Tag dreimal an- und wieder ausgezogen, je nach Untergrund.

Oben auf 760 Metern lag der Schnee zwanzig Zentimeter hoch, pulverig, und der Wind hatte ihn auf dem Kamm zu Wellen geschoben. Dort war das Gehen anstrengend, aber nicht gefährlich; ich bin in den Spuren eines anderen Wanderers gegangen, der am Morgen vor mir dort gewesen sein muss. Die Fichten standen schwer beladen, und zweimal kam eine Ladung Schnee von oben, als der Wind drehte.

Zeitlich ist es knapp geworden: Ich war um 15:10 Uhr am Ausgangspunkt, vierzig Minuten später als geplant, weil ich auf dem Eis viel langsamer war als gedacht. Das Rechenmodell für den Winter habe ich daraufhin angepasst: drei Kilometer pro Stunde statt vier, und bei Eis oder tiefem Schnee noch einmal eine halbe Stunde Puffer pro zehn Kilometer. Und die Stirnlampe gehört in den Winter in den Rucksack, auch für eine Tour, die eigentlich um halb drei zu Ende ist.