Hochmoor im Oktober: Nässe und Stille
Vierzehn Kilometer, kaum 200 Höhenmeter, und trotzdem eine Tour, die mir nachgeht. Hochmoore in den Mittelgebirgen liegen meist auf Hochflächen zwischen 700 und 900 Metern, und im Oktober, wenn das Wollgras braun wird und die Birken gelb, sind sie fast menschenleer. Ich habe an dem Tag auf fünf Stunden drei Leute getroffen, alle am Parkplatz.
Das Wetter war gleichmäßig schlecht: 4 Grad beim Start um 9 Uhr, Nieselregen, der zwischendurch in nasse Luft überging, Wind aus Nordwest mit vielleicht 30 Kilometern pro Stunde auf der offenen Fläche. Die Bohlenwege waren rutschig; an zwei Stellen fehlten Bretter, und man sah darunter das dunkle Wasser. Ich bin dort langsam und mit kleinen Schritten gegangen, die Stöcke habe ich auf Bohlen eingeklappt, weil sie zwischen den Brettern hängen bleiben.
Der Fehler lag bei der Kleidung, genauer bei den Händen und beim Hals. Ich hatte dünne Fingerhandschuhe mit, die nach einer Stunde nass waren und dann kälter als keine. Die Ersatzhandschuhe lagen zu Hause auf dem Tisch. Für den Hals hatte ich nichts, und der Kragen der Regenjacke stand am Kinn so weit offen, dass der Wind hineinzog. Nach drei Stunden hatte ich steife Finger und einen kalten Nacken, bei Temperaturen, die noch nicht einmal unter null lagen. Nässe und Wind machen bei 4 Grad mehr aus als trockene Kälte bei minus 5.
Was trotzdem stimmte: die Thermoskanne mit heißem Tee, 750 Milliliter, die ich in zwei Portionen getrunken habe, einmal um 11 Uhr im Windschatten einer Schutzhütte, einmal um 13 Uhr. Beide Male war der Unterschied in der Stimmung spürbar. Und die Entscheidung für Gamaschen; die Hose darunter war am Ende trocken bis zum Knie, obwohl der Pfad abseits der Bohlen knöcheltief im Moos lag. Für den Winter kommt eine Packliste mit zwei Paar Handschuhen und einem Schlauchschal, die ich am Vorabend abhake, nicht am Morgen.